Musik der Romantik – virtuos dargeboten

Eine volle Kirche und Beifallsstürme für die Mainzer Musici beim traditionellen Benefizkonzert der Ingelheimer Soroptimistinnen am vergangenen Samstag

Wie schön, dass wir wieder beieinander sein können, begrüßte Beate Rösch-Kießl, die jetzt amtierende Präsidentin des Soroptimist International Clubs Ingelheim, die Gäste in der Burgkirche in Ober-Ingelheim. Die meisten hatten schon im Vorverkauf Eintrittskarten erworben oder trafen lange vor Konzertbeginn ein, um sich einen Platz zu sichern.

Die Musik bei Kerzenschein, in der im warmen Farbspiel erleuchteten Kirche, hat über die Jahre viele Liebhaber gefunden. Professor Benjamin Bergmann und seine Musici der Musikhochschule Mainz stehen für brillantes, lebendiges Zusammenspiel, mit einer Leidenschaft, die das Publikum mitreißt. Für das Konzert zu den diesjährigen Martinstagen hatte Professor Bergmann wieder einige „Schmankerl“ in das Programm eingebaut, deren Hintergrund er eingangs erläuterte.

Das offizielle Programm des Konzertabends startete mit einer Streichersinfonie, die Mendelssohn-Bartholdy im Alter von erst 14 Jahren komponierte. In jugendlichem Ungestüm ersetzte Mendelssohn den üblichen langsamen Mittelteil durch ein Menuett. Ein schwungvoller Einstieg für die Musici und ihre Zuhörer.

Das Kontrabasskonzert von Bottesini haben Sie wahrscheinlich noch nie gehört, kündigte Professor Bergmann das Musikstück an, aus dem der erste Satz folgen sollte: eine kurze Orchestereinleitung, dann übernimmt der Kontrabass, zunächst mit getragener Weise, dann wirbeln die Töne rasch über das gesamte Griffbrett von hoch nach tief. „Mit dem Kontrabass quasi Geige spielen“; auch als ausgefuchster Profi habe man vor diesem Stück großen Respekt, beschrieb einmal der Solokontrabassist der Wiener Philharmoniker die Herausforderung für den Spieler. Yoesehph Ahn nahm die Herausforderung an – und erntete den ersten Beifallssturm und Bravorufe des Publikums.

Weiter ging es mit der St. Paul’s Suite von Gustav Holst. Das Stück wurde benannt nach der Mädchenschule in Hammersmith, an der Holst als Musiklehrer sein Brot verdiente. Die Komposition ist inspiriert von alten englischen und keltischen Volksweisen und wie geschaffen für das feine und freudige Zusammenspiel der Mainzer Musici.

Für Sarasate´s Zigeunerweisen übernahm Stefan Besan den Solopart. Gefühlvoll, leidenschaftlich, mal schmerzlich, auch tirrillierend erklang seine Violine. Rasche Tempiwechsel, große Sprünge zwischen den Tonhöhen und allerhand Verzierungen kennzeichnen dieses anspruchsvolle Werk des spanischen Komponisten. Stefan Besan bot eine mitreißende Interpretation. Wieder dankte das Auditorium mit Bravorufen und anhaltendem Beifall.

Einem Bericht zufolge soll ein Missgeschick Paganini einen Gefängnisaufenthalt beschert haben. Er durfte seine Violine mitnehmen, allerdings aus Sicherheitsgründen nur mit der Basssaite bestückt. So entstand die Musik der „Moses Variationen“ auf einer Saite. Paganini schuf sie angelehnt an Rossini’s „Moses in Ägypten“.

Was kann man mit einer minimal ausgestatteten Violine schon groß an Melodie erzeugen? Gufeng Wu führte es vor: die Saite straff gespannt, etwas höher gestimmt und schon ist ein Spiel reich an Varianten und Tönen möglich. Wenn man es denn beherrscht. Und Gufeng Wu tut genau das. Für das Publikum war ihre Leistung den nächsten Beifallsturm des Abends wert.

Zum Abschied gab es noch ein fröhliches Irish Fiddle. Beglückte Zuhörer, strahlende Mainzer Musici, ein unvergesslicher Abend, und die Hoffnung besteht, dass im nächsten Jahr wieder ein solches Konzert stattfinden kann.

Der Erlös des Abends wird den Studenten und Studentinnen der Musikhochschule Mainz für ihre Ausbildung zugutekommen.


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